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Dienstag, 22. Februar 2011

Schlimmer gehts immer

Meine Meinung zu Guttenberg hat Michael Spreng gut zusammengefasst: Wer in der Einleitung fremde Texte übernimmt und das ganze so formuliert, als wären es die eigenen Gedanken, der hat das mit dem wissenschaftlichen Arbeiten nicht verstanden, um es freundlich zu formulieren. Nicht, dass ich vorher von dem Mann wirklich begeistert war, aber für jemanden, über den Der Spiegel bereits titelte "Paarlauf ins Kanzleramt", ist das schon ein Hammer. Und, um mal in infamer Weise zu pauschalisieren: Die deutschen Politiker sind irgendwie nicht so prall.

Also Zeit, einen Blick auf amerikanische Politiker zu werfen. Obama im Fernsehen beim Reden zu sehen, löst bei mir immer ungeahnte devote Reflexe aus, fast möchte ich mich wie ein Hund auf den Rücken legen und "Regier mich!" winseln. Das Charisma dieses Mannes ist unfassbar und auch wenn er nicht der linke Heilsbringer ist, den manche sich erhofft haben, so ist seine Bilanz sehr stark. Aber noch nicht mal die Rettung der amerikanischen Autobauer mit 60 Milliarden Dollar in Darlehen, bei denen der Staat am Ende mit Gewinn rausgekommen ist, hat verhindern können, dass seine Partei bei den Midtermelections 2010 die Mehrheit im Repräsentantenhaus in einem Erdrutschsieg der Republikaner verloren hat und im Senat nur knapp verteidigen konnte.

Diese neue Generation von Abgeordneten ist nun seit einigen Wochen im Amt. Viele davon sind aus der Tea Party, keine eigene Partei, sondern eine Strömung innerhalb der Republikaner. Clever benannt nach der Boston Tea Party, einer berühmten politischen Aktion 1773 gegen die britischen Kolonialherren, besteht die Tea Party im wesentlichen aus weißen Leuten über 40, die plötzlich merken, dass das Land, in dem sie geglaubt haben, aufgewachsen zu sein, gar nicht existiert. Guckempfehlung: New Left Media, der Typ ist wirklich unglaublich. Stellt einfach Fragen.

Eine der Galeonsfiguren ist Sarah Palin, die Frau von der die Berater des Präsidentschaftskandidaten John McCain völlig schockiert waren, weil sie keine Ahnung von nichts hatte. Christlicher Fundamentalismus spielt auch eine große Rolle. Die Forderungen dieser Leute sind vielerlei, die Hauptforderung ist die nach weniger Staat, weniger Staatsausgaben. Egal, was es koste. Die Reform der Krankenversicherung (in gehässigem Tonfall Obamacare genannt) muss rückgängig gemacht werden. Abtreibung ist schlecht. Schwulenehe ist schlecht. Globale Erwärmung ist eine Verschwörung. Ölbohrungen sind per se gut. Illegale, kriminelle und kranke Ausländer sind schlecht. Und, die Verfassung muss wieder beachtet werden.

Bei den letzten beiden Punkten geht es vor allem um eins: Rassismus. Die Ähnlichkeit zu Slogans der NPD ist nicht zufällig. Illegale Einwanderer nehmen anderen die Jobs weg, liegen auf der Tasche, und fahren, man höre und staune, hochschwanger in die USA, um dort ihre Kinder zu kriegen, damit die dann die US-Staatsbürgerschaft erhalten. Was inhaltlich völliger Unsinn ist. Aber die Verfassung, die kann doch nicht rassistisch sein? Ist sie auch nicht. Dahinter steckt zum Einen der Unmut gegen die Krankenversicherungsreform, die angeblich verfassungswiedrig ist, zum anderen aber das mit dem Präsidenten. Schwarzenegger kann nicht Präsident werden, weil er nicht in den USA geboren wurde. Wie kann es dann sein, dass Obama Präsident wurde? Offensichtlicher Betrug, denn er hat ja seine Geburtsurkunde gefälscht. Diesen Schwachsinn glauben 50% der Wähler der Republikaner. Obama ist übrigens auch Moslem. Und kein guter Amerikaner, weil er nämlich angeblich nicht dem American Exceptionalism anhängt, also der Meinung, dass die USA einfach besser sind als der Rest der Welt. Was hat er gemacht? Er hat bei einem Besuch in Europa gesagt, dass er sich vorstellen könnte, dass die Griechen Griechenland besser finden als die USA und die Briten Großbrittanien besser finden als die USA. Was für die einen gute Manieren sind, ist für die amerikanische Rechte ein Skandal! Das hätte Bush so nie gesagt, pah!

Diese Spinner sind nun also nennenswert im "House". Und sie treiben den Rest des Establishments der Republikaner vor sich her nach Rechts. Klingt nicht so schlimm? Wir reden über die Partei von George W. Bush, die in dessen Amtszeit zwei Kriege, darunter einen völkerrechtswiedrigen angefangen hat, Deregulierung weitergetrieben und die Finanzkrise ausgelöst hat, Gefangene foltern und den START-Vertrag mit den Russen über die Kontrolle nuklearer Waffen auslaufen ließ, Umweltschutz- und Wissenschaftsfeindlich war, das Guantanamo-Lager errichtet hat, insgesamt eine Bande von korrupten Heuchlern. 

Die Forderung nach weniger Staatsausgaben ist derzeit brandaktuell: Die USA müssen neue Schulden aufnehmen, um ihre Rechnungen zu bezahlen, was erstmal nichts ungewöhnliches ist, allerdings bestimmen die beiden Kammern des Parlaments die maximale Kreditaufnahme. Diese ist nun erreicht und so müssen diese bis Ende März eine erhöhte Kreditaufnahme genehmigen, so die USA nicht in ernsten Schwierigkeiten stecken sollen. Im wesentlichen eine Formalie, aber das wird natürlich benutzt, um über den Haushalt zu debattieren. Obama, als jemand verschrien, der das Geld wie ein betrunkener Matrose auf Landgang ausgibt, will über die nächsten zehn Jahre 1 Billion Dollar sparen. Dabei schlägt er sowohl Streichungen bei der heiligen Kuh des Militärbudgets vor, als auch bei Programmen zur Linderung von Armut. Insgesamt wirklich harter Tobak. Die Einsparungen bedeuten im wesentlichen, dass die Neuaufnahme von Schulden gedeckelt würde. Das wiederum ist den Republikanern zu wenig, sie wollen Schulden abbauen, und Obama ist überhaupt Schuld, weil George W. Bush die Schulden in schwindelerregende Höhen getrieben hat. Klingt blöd, ist es auch. Bemerkenswert bei der ganzen Sache ist, dass Steuererhöhungen in der Diskussion keine Rolle spielen, es geht nur um die Frage, wo man spart und wieviel.

Die Jungs und Mädels von der Tea Party gefallen sich also derzeit mit den anderen Republikanern darin und haben am Freitag eine erste Tranche von Einsparungen von 60 Millarden Dollar verabschiedet. Ein Vorschlag, der im Senat nicht angenommen wird und wenn doch, einem Veto des Präsidenten erliegen wird. Dabei gehen sie mit dem Holzhammer vor, also es wird gekürzt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Naja, bis auf das Militärbudget. Bekämen sie ihren Willen, wären zehntausende Jobs in Gefahr, wenns schlecht läuft, würden die USA in eine erneute Rezession gehen. Sagt zumindest Paul Krugman.

Insofern: Gutti hat quasi zugegeben, geschwindelt zu haben. Also alles supi in deutsche Land!

 Ansonsten:

Sonntag, 6. Februar 2011

Von den USA nichts lernen heißt, die eigenen Unis zu verhunzen

Mein Team hat den Superbowl gewonnen (zwei Minuten nach Anpfiff habe ich mich auf die Green Bay Packers in den grünen Trickots festgelegt, was sonst) und es ist warm in Kalifornien, vor dem Ingenieursgebäude sonnen sich Studentinnen (können nicht meine sein, wenn die so viel Muße haben). Zeit sich wieder ernsteren Themen zuzuwenden. Und ich dachte mir, ich werfe mal einen Blick auf das amerikanische Bildungssystem. Wie leider weniger Leute wissen, als der Bedeutung des Umstandes angemessen wäre, sind deutsche Universitäten derzeit und in den letzten zehn Jahren einem Umbruch unterworfen, der in seinem Umfang historisch wenige Vergleiche kennt. Bachelor/Master- ersetzen die alten Diplomstudiengänge. Die Besoldung der Professoren wurde auf die leistungsbezogenen W-Professuren umgestellt. Die Exzellenzinitiative zielt darauf ab, eine Trennung in Lehr- und Forschungsuniversitäten einzuführen.

Vorbild vieler dieser Reformschritte sind immer wieder die USA. Grund ist, dass jedes internationale Hochschulranking (Beispiel) immer wieder dasselbe zeigt: Die USA haben die besten Unis. Cambridge und Oxford melden sich ab und an in den TOP 10, im wesentlichen aber dominieren amerikanische (Privat-)Unis die TOP 50. Alle meine Erfahrungen bestätigen das: Forscher aus der Weltspitze gibt es auch in Deutschland oder Tschechien, und zwar nicht wenige. Aber eine Konzentration wie in den USA wird über mehrere Fachbereiche hinweg nirgendswo erreicht.

Entsprechend findet sich zu allen Reformvorhaben ein Vorbild in den USA. Bachelor/Master ist hier eben das, die Juniorprofessur ist der Assistant Professor, die leistungsbezogene Mittelvergabe an Professoren gibt es auch und die Exzellenzinitiative soll Eliteunis erzeugen. Reine Forschungsunis gibts hier zwar nicht, aber Lehrunis, das sind die Football-Klitschen in Kansas City und anderen Metropolen von denen noch nie jemand gehört hat. 

Also alles Topcheckerbunnies, die deutschen Bildungspolitiker? Mich persönlich hat das ja schon immer gewundert, dass ich auch nach fünfzehn Jahren an verschiedensten Unis verschiedener Länder immer noch nicht mühelos erkennen kann, ob ein anderer Mathematiker gute Forschung macht. Für Bildungspolitiker kein Problem. Die sind eben einfach gut.

Schauen wir uns also mal die USA an. Zunächst einmal gibt es die Undergraduate Studies, das ist alles bis zum ersten Abschluss, dem Bachelor. Die lasse ich jetzt mal weg und konzentriere mich auf die weiteren Teile, die graduate Studies. Nach dem Bachelor machen die Leute weiter, die eine forschungsorientierte Ausbildung suchen, typischerweise den PhD, also den amerikanischen Doktor. Der Masterabschluss fällt dabei zwischendrin ab und ist eher so etwas wie ein Notausgang. Die internationale Reputation der Unis wird im wesentlichen aus diesen Programmen generiert. Die Teilnehmer bewerben sich dort, weil der Ruf gut ist, die Uni sucht sich die besten aus, wer zahlen kann, zahlt gutes Geld, wer nicht, wird versorgt. Sie werden dann von Topleuten an die Forschung herangeführt, machen die Forschung, die sich dann im Ranking niederschlängt und so weiter.

Als ich einen HiWi für meine Vorlesung suchte, bewarben sich drei Leute. Ein Chinese, ein Inder und ein Iraner. Die Professoren mit denen ich hier viel Kontakt habe kommen aus England, Neuseeland und den Niederlanden. Jahuch? Keine Amerikaner? Nein, auf dem Campus sieht man grob ein Dritter Chinesen, ein Drittel Inder, ein Drittel Rest. Unter diesem Rest sind vor allem Amerikaner, aber ansonsten ein bunte Mischung (viele Deutsche übrigens, aus den Zeiten von vor Bachelor/Master). Sprich: Die wohlhabenden Eltern von Kindern aus aller Welt finanzieren diesen die Ausbildung an einer amerikanischen Eliteuni, wo sie dann von Professoren aus aller Herren Länder ausgebildet werden. Sicher liegt das auch daran, dass Stanford ein Mekka der Ingenieurswissenschaften ist und derartige Berufe in Schwellenländern sehr gut angesehen sind. Wesentlich anders sieht es aber in Harvard oder Yale nicht aus. Sprich: Der berechtigte exzellente Ruf amerikanischer Unis wäre ohne Ausländer nicht exzellent.

Was sind denn nun eigentlich die Faktoren, die eine amerikanische Eliteuni so erfolgreich machen? Es fängt mit dem Ruf an. Der gute Ruf zieht gute Studenten an. Mit guten Studenten kann man gute Forschung machen. Am Besten trifft man eine Auswahl, welche Studenten man zulässt, dann muss man sich nicht mit den schlechten Studis rumschlagen. Das alles verbessert den Ruf. Damit man diesen Kreislauf aufrecht erhalten kann, braucht man gute Professoren. Wie kriegt man die? Richtig, mit gutem Ruf, aber vor allem mit Geld. Das bedeutet: gutes Gehalt, gute Arbeitsbedingungen, wenig Bürokratiemist. Gute Arbeitsbedingungen bedeutet ein großes Bibliotheksbudget, Reisemittel, Labore, etc. Also: Viel Geld.

Vergleicht man das mit Deutschland, muss man aufpassen, was man vergleicht. Die Uni Kassel ist nämlich besser als jede Football-Klitsche hier, aber eben schlechter als jede Elite-Uni. Im Vergleich zu diesen stellt man fest, dass der Ruf deutscher Universitäten nicht schlecht ist. Nur, die Unis sind nicht international aufgestellt, genauso wenig wie sich die Ausländerämter als Orte begreifen, bei denen es darum geht, die Zuwanderung dringend benötigter kluger Köpfe aus dem Ausland nach Deutschland zu regeln. Inder, Chinesen an deutschen Unis? Eine winzige Minderheit. Kampf um die besten Talente der Welt? Ja neh, ist klar.

Wie siehts mit dem Geld aus? Yale, arg gebeutelt von der Finanzkrise, muss sein Budget für 2011 um 150 Millionen Dollar kürzen. Aber von welchem Niveau? In den letzten zehn Jahren haben sie etwa 3 Milliarden Dollar in Infrastruktur investiert. Das Jahresbudget selber bewegt sich etwas darunter. Kassel als mittelgroße Uni hat ein Budget von deutlich unter 200 Millionen Euro. Yale kürzt also derzeit mal eben die Uni Kassel weg. Die deutschen Unis sind kaputt gespart, Dauerstellen im Mittelbau gibt es quasi nicht mehr. Die Gehälter deutscher Professoren sind im Vergleich geringer. Deutsche Professoren müssen einen Großteil der Verwaltung selbst machen. Sekretärinnen müssen, um hilfreich zu sein, komplexe Büroabläufe koordinieren. In Deutschland werden sie bezahlt, als ob Schreibmaschinen tippen die einzig notwendig Qualifikation sei und sind entsprechend nur im Glücksfall gut. An einer US-Eliteuni ....

Also schauen wir uns mal an, welche dieser Unterschiede durch die USA-orientierten Reformen angegangen wurden. Die starke internationale Marke Diplom wurde abgeschafft und durch Titel ersetzt, die nirgendwo irgendwen vom Hocker hauen. Das lockt sicher mehr kluge Köpfe nach Deutschland. Die neue leistungsbezogene W-Besoldung für Professoren ist faktisch die einzige mir bekannte Gehaltskürzung im öffentlichen Dienst mit einem Grundgehalt unterhalb das Niveaus von Gymnasiallehrern. Das wird sicher dafür sorgen, dass mehr kompetente Leute diesen Beruf ergreifen wollen. Die Juniorprofessur ist hier in der Regel ohne Tenur Track, also ohne Aussicht auf Dauerstelle, was die guten Leute in den USA mit einem müden Lächeln ablehnen. Die Exzellenzinitiative. Die interessierten Unis wurden für die Jagd nach etwa 100 Millionen (Peanuts in Yale) für ein paar Monate lahm gelegt, und zwar mit, genau, Bürokratie.

Mit falschen Rezepten wird hier also in meinen Augen massiver Schaden angerichtet. Das ist nun einfach gesagt, denn das wesentliche Element der Lösung, nämlich das Geld, liegt ja nicht auf der Straße. Es wäre aber zum einen möglich gewesen, die Situation nicht zu verschlimmern, wie etwa durch die W-Besoldung oder Bachelor/Master. Zum anderen ist eine Reform des Ausländerrecht auch so möglich. Und schließlich ist es ja nicht so, dass es neben dicken Brocken wie der Föderalismusreform keine Rezepte gäbe, die finanzielle Situation der Hochschulen zu verbessern. Warum nicht das Alumniwesen in Deutschland unterstützen und es einfacher machen, einer deutschen Universität etwas zurückzugeben?

Nun denn, genug gejammert, zur Belohnung für bis hier durchhalten ein paar Schnipsel:

Donnerstag, 13. Januar 2011

Lasst uns doch mal shoppen gehen

Auf meinem Flug in die USA Mitte Dezember blätterte ich in der New York Times und las diese AP-Meldung. Das Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives will also, dass das weiße Haus eine Regelung auf den Weg bringt, nach der der Verkauf mehrerer Sturmgewehre an dieselbe Person innerhalb von fünf Tagen in Grenzregionen gemeldet werden soll. Eine AK-47 ist OK, auch fünf, wenn sie vorrätig sind, nur soll das dann halt in Zukunft gemeldet werden. Der Vorstoß zielt explizit auf Arizona ab, der Staat mit den schwächsten Waffengesetzen der USA. Der Kauf von Sturmgewehren ist dort erstens legal und zweitens nicht genehmigungspflichtig. Deswegen befinden sich zahlreiche Waffenläden in geringer Nähe zur mexikanischen Grenze, von denen aus ein lebhafter (wir reden über zehntausende Sturmgewehre) Waffenschmuggel stattfindet.

Der Bedarf an geschmuggelten Waffen in Mexiko resultiert aus den dortigen bürgerkriegsähnlichen Zuständen im Konflikt zwischen Regierung und Drogenkartellen mit über 30.000 Toten seit 2006, 2010 alleine 15.000 Tote, Tendenz steigend. Die Gewalt greift auf immer mehr Provinzen Mexikos über und destabilisiert das Land zusehends, was auch für die USA ein massives Problem ist. Die hohe Nachfrage nach Drogen aus den USA und die durch den War on Drugs hohen Preise helfen kräftig. Nun haben Mexikaner zwar das Recht, Waffen zu tragen, der Verkauf jedoch ist streng reguliert und deswegen der Schmuggel.

Diese Woche musste ich wieder an den Artikel denken. Die traurigen Ereignisse in Tuscon, Arizona, lassen in den USA verständlicherweise die Wellen hochschlagen. Erster Reflex von vielen Kommentatoren war, dass das Verbrechen durch die zunehmend feindselige Sprache insbesondere rechter (nach Maßstäben der USA) Politiker und Kommentatoren, wenn nicht ausgelöst, so doch auf jedenfall begünstigt worden war. Ich habe insgesamt den Eindruck, viele Leute hier haben mittlerweile ernsthaft Angst vor rechtsextremer Gewalt und die unmögliche Rethorik einfach satt. Auch Obama nahm dies als wichtigsten Punkt in seine Rede auf der Gedenkfeier auf.

Zweiter wichtiger Punkt der Debatte ist, wenig überraschend, die Frage, ob es denn sinnvoll ist, wenn ein psychisch labiler Mensch sich ganz legal eine halbautomatische Pistole beschaffen kann und die nötige Munition noch dazu. Halbautomatisch heißt, dass die Waffe automatisch nachlädt. Mit der von ihm benutzten Glock konnte Laughner in kurzer Zeit 30 Schüsse abfeuern, bevor er nachladen musste und überwältigt wurde. Die Waffe ist weder fürs Jagen oder zur Selbstverteidigung die richtige Wahl, sie ist gedacht, um Menschen zu töten. Die Debatte dreht sich insbesondere um das durch die Verfassung garantierte Recht, Waffen zu tragen und ob damit auch Maschinenpistolen gemeint waren, die Frage ob stärkere Waffengesetze nun mehr oder weniger Verbrechen verursachen und implizit das Problem, was man denn machen soll, wenn ein kommunistischer Negertyrann im weißen Haus sitzt. Ebenso spielt die Frage eine Rolle, ob man das Verbot halb- und vollautomatischer Waffen, das George W. Bush 2004 einfach auslaufen ließ, nicht wieder einführen sollte. Politisch ein heißes Thema.

Mexiko spielt keine Rolle. Die erste Schlagzeile aus 2011 ist diese.
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