Donnerstag, 13. Januar 2011

Lasst uns doch mal shoppen gehen

Auf meinem Flug in die USA Mitte Dezember blätterte ich in der New York Times und las diese AP-Meldung. Das Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives will also, dass das weiße Haus eine Regelung auf den Weg bringt, nach der der Verkauf mehrerer Sturmgewehre an dieselbe Person innerhalb von fünf Tagen in Grenzregionen gemeldet werden soll. Eine AK-47 ist OK, auch fünf, wenn sie vorrätig sind, nur soll das dann halt in Zukunft gemeldet werden. Der Vorstoß zielt explizit auf Arizona ab, der Staat mit den schwächsten Waffengesetzen der USA. Der Kauf von Sturmgewehren ist dort erstens legal und zweitens nicht genehmigungspflichtig. Deswegen befinden sich zahlreiche Waffenläden in geringer Nähe zur mexikanischen Grenze, von denen aus ein lebhafter (wir reden über zehntausende Sturmgewehre) Waffenschmuggel stattfindet.

Der Bedarf an geschmuggelten Waffen in Mexiko resultiert aus den dortigen bürgerkriegsähnlichen Zuständen im Konflikt zwischen Regierung und Drogenkartellen mit über 30.000 Toten seit 2006, 2010 alleine 15.000 Tote, Tendenz steigend. Die Gewalt greift auf immer mehr Provinzen Mexikos über und destabilisiert das Land zusehends, was auch für die USA ein massives Problem ist. Die hohe Nachfrage nach Drogen aus den USA und die durch den War on Drugs hohen Preise helfen kräftig. Nun haben Mexikaner zwar das Recht, Waffen zu tragen, der Verkauf jedoch ist streng reguliert und deswegen der Schmuggel.

Diese Woche musste ich wieder an den Artikel denken. Die traurigen Ereignisse in Tuscon, Arizona, lassen in den USA verständlicherweise die Wellen hochschlagen. Erster Reflex von vielen Kommentatoren war, dass das Verbrechen durch die zunehmend feindselige Sprache insbesondere rechter (nach Maßstäben der USA) Politiker und Kommentatoren, wenn nicht ausgelöst, so doch auf jedenfall begünstigt worden war. Ich habe insgesamt den Eindruck, viele Leute hier haben mittlerweile ernsthaft Angst vor rechtsextremer Gewalt und die unmögliche Rethorik einfach satt. Auch Obama nahm dies als wichtigsten Punkt in seine Rede auf der Gedenkfeier auf.

Zweiter wichtiger Punkt der Debatte ist, wenig überraschend, die Frage, ob es denn sinnvoll ist, wenn ein psychisch labiler Mensch sich ganz legal eine halbautomatische Pistole beschaffen kann und die nötige Munition noch dazu. Halbautomatisch heißt, dass die Waffe automatisch nachlädt. Mit der von ihm benutzten Glock konnte Laughner in kurzer Zeit 30 Schüsse abfeuern, bevor er nachladen musste und überwältigt wurde. Die Waffe ist weder fürs Jagen oder zur Selbstverteidigung die richtige Wahl, sie ist gedacht, um Menschen zu töten. Die Debatte dreht sich insbesondere um das durch die Verfassung garantierte Recht, Waffen zu tragen und ob damit auch Maschinenpistolen gemeint waren, die Frage ob stärkere Waffengesetze nun mehr oder weniger Verbrechen verursachen und implizit das Problem, was man denn machen soll, wenn ein kommunistischer Negertyrann im weißen Haus sitzt. Ebenso spielt die Frage eine Rolle, ob man das Verbot halb- und vollautomatischer Waffen, das George W. Bush 2004 einfach auslaufen ließ, nicht wieder einführen sollte. Politisch ein heißes Thema.

Mexiko spielt keine Rolle. Die erste Schlagzeile aus 2011 ist diese.
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